31.03.2011

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es gibt etwas, was man an einem einzigen ort in der welt finden kann.
es ist ein grosser schatz, man kann ihn die erfüllung des daseins nennen.
und der ort, an dem dieser schatz zu finden ist, ist der ort, wo man steht.


martin buber
[gefunden bei sonja]
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30.03.2011

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stanza XIII


there may be pink with white or white with rose
or there may be white with rose and pink with mauve
or even there may be white with yellow and yellow with blue
or even if even it is rose with white and blue
and so there is no yellow there but by accident.


gertrude stein
[stanza XIII – aus: stanzas in meditation and other poems]
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28.03.2011

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an der aussenwand lehnen


an der aussenwand lehnen mit
zebrastreifen auf der haut

jemand verreist jemand reicht
eine stimme weiter

während die motorsäge von der
tonleiter steigt
kracht der goldregen zu boden

dieser tag ist ohne zweifel unfähig
auf zehenspitzen zu gehen

jemand richtet sich auf - jetzt
darf ich schon nichts mehr sagen


brigitte fuchs
[aus: handbuch des fliegens, gedichte - edition 8]
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27.03.2011

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foto: marianne rieter



schnipsel #148


c’est le ton qui fait la musique bzw. waiting for the donnerschlag :::: von vorsätzlichen unfreundlichkeiten, zurückhaltungen und absagen resp. leave me alone! :::: weiterführende überdehnungen und leise unsicherheiten maschineller art :::: das märchen vom fischer und seiner frau :::: rechte und pflichten, lieb und nett, hin und her und mehr bzw. ran an die würmer! :::: kleine freuden oder festellungen über das strahlen der einen beim erzählen über das lachen des anderen beim anblick eines tatsächlichen güggüs ;-) :::: nimm mich mit, kapitän, auf die reise… :::: faule vögel auf dem balkon und neue buchstaben an der wand :::: bellissimo!!! :::: von rosen und anderen überlebenden :::: (mehr als) 6 an der uni =:o) :::: die geschichte vom versteckten kabelsalat und den suchenden technikern und oder der nachbar in meinem telefon :::: involtini di vitello und ein überkandidelter kellner statt einundzwanzig-zweiundzwanzig :::: stop! ::::
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25.03.2011

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bibliothek


die vielen buchstaben
die nicht aus ihren wörtern können

die vielen wörter
die nicht aus ihren sätzen können

die vielen sätze
die nicht aus ihren texten können

die vielen texte
die nicht aus ihren büchern können

die vielen bücher
mit dem vielen staub darauf

die gute putzfrau
mit dem staubwedel


ernst jandl
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24.03.2011

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la poésie


la poésie ?
la poésie la poésie…
la poésie qui compte !
la poésie qui compte la poésie
la poésie qui compte la poésie qui compte
la poésie qui compte la poésie qui compte c’est la poésie
...


pierre guéry
[gefunden bei lyrikline]


der ganze text ist hier zu finden. meine empfehlung: das audio-file anhören! *-)
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23.03.2011

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tramonto


il carnato del cielo
sveglia oasi
al nomade d'amore




sonnenuntergang


die rötung des himmels
weckt oasen
für den nomaden der liebe


giuseppe ungaretti
[aus: gedichte, italienisch und deutsch, übertragen von ingeborg bachmann - suhrkamp]

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22.03.2011

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im lichte dieses verschwenderischen frühlingstages,
mein dichter, besinge die,
die ohne zögern vorbeieilen,
die lachend dahinfahren,
ohne sich umzusehen,
die aufblühen in einer stunde taumelnden entzückens
und ohne klage verwelken in einem augenblick.


rabindranath tagore
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21.03.2011

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aber meine seele ist eine leidenschaftliche tänzerin,
sie springt herum nach einer innern tanzmusik,
die nur ich höre und die andern nicht.


bettina von arnim
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17.03.2011

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ich fühle das leben ist
sorgenvoll und unerträglich
jedoch
kann ich nicht entfliehen
da ich kein vogel bin.


yamanoue no okura
山上 憶良 - * 660; † 733
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15.03.2011

14.03.2011

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foto: marianne rieter



in medias res.


die wahrheit ist dem menschen zumutbar.
(ingeborg bachmann)


in andrer zeit am andern ort
stagniert der blick
verliert sich der name
der atem das blau

kalibrieren - statt dulden
und warten! - die richtung
den grundton die gesten

das weite suchen zwischen
kopf und herz ein halbes
jahrhundert lässt hoffen
zumindest.


marianne rieter
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13.03.2011

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du bist leise und tief.
in deinen augen ruht die erde aus.
eine kleine wolke posaunt sehr sanft.
bisweilen münde ich in die fluten des himmels.
ich erwarte dich immer.
ich weiss deine hände und den bug deiner stirn.
ich weiss deinen mund.
siehe drüben ist abend und untergang:
ich will dich den warmen lichtgrünen winden entgegentragen
und über dir singen.


friederike mayröcker
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12.03.2011

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stehen sie am morgen früh auf, sitzen sie wenig,
schlafen sie korrekt und schnell. man kann das.


robert walser
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11.03.2011

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rabenflug



wenn in dem verfluchten leben
einfach nichts passiert und du
vom bedichten der leeren
insel abstand genommen hast
und es sind alle muster und schatten
auf der tapete auf der tapete beschrieben
und die ameisenstrasse im park
und das zerrissene schuhband
und dein verbissenes kissen
und das hissen der weissen
worte dann musst du dich
auf die anderen stürzen
ihre lieben klauen ihre leben
verstauen in deinen texten
vorübergehend hoffentlich
nur vorübergehend raubmund
federdieb rabenflug


bess dreyer
[gefunden bei fixpoetry]
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10.03.2011

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geschichten haben nie ein ende, hatte er mal zu ihr gesagt. auch wenn uns die bücher das gern vorgaukeln. die geschichten gehen immer weiter, sie enden ebenso wenig mit der letzten seite, wie sie mit der ersten beginnen.


cornelia funke
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08.03.2011

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im gras


leichtsinn: die kleine,
sehr gefährdete
weisse wolke -
hoch
über der schläfrig verwunderten
vernunft.


rainer malkowski
[aus: die gedichte – wallstein]
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07.03.2011

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irgendwie.


im tageslicht bleibt mir nichts
als weiterzumachen

schlussendlich
irgendwie
geht es

ganz
gut


marianne rieter
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06.03.2011

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einführung in die handelskorrespondenz


mit freundlichen grüssen
mit grämlichem hüsteln
mit christlichem frösteln
mit fiesen grimassen
mit geilen finessen
mit feistem gewinsel
mit sdhwülem gefasel
mit schweissigen nüstern
mit heiserem schmatzen
mit schleimigem kitzeln
mit lüsternen fratzen
mit fleischigen küssen
mit schäumenden fisteln
mit freudigem geifern
mit scheusslichen fotzen
mit fröhlichem knirschen
mit kreischenden flüchen
mit freundlichen grüssen


hans magnus enzensberger
[aus: gedichte 1955-1970 – suhrkamp]
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05.03.2011

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ein fisch ist ein fisch


ein fisch ist eine metapher
ist ein stillleben
ist eine wassermusik

ein fisch ist ein vogel
ist ein weib
ist ein ding

ein fisch ist ein backfisch
ist eine versuchung

ein fisch ist eine mahlzeit
ist eine gräte im hals

ein fisch ist ein fisch
ist nichts

weiter


brigitte fuchs
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04.03.2011

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EIN TANGOTÄNZER -
AGONIEN TANZTE ER,
EINE GANZE TONART,
ZARTE NEGATIONEN.


marianne rieter
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03.03.2011

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was alles braucht’s zum paradies

ein warten ein garten
eine mauer darum
ein tor mit viel schloss und viel riegel
ein schwert eine schneide aus morgenlicht
ein rauschen aus blättern und bächen
ein flöten ein harfen ein zirpen
ein schnauben (von lieblicher art)
arzneien aus balsam und düften
viel immergrün und nimmerschwarz
kein plagen klagen hoffen
kein ja kein nein kein widerspruch
ein freudenlaut
ein allerlei wiegen und wogen
das spielzeug eine acht aus gold
ein heute und kein morgen
der zeitvertreib das wunder
das testament aus warmem schnee
wer kommt wer ginge wieder
wir werden es erfragen.


elisabeth borchers
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02.03.2011

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dauer


wir zögern
wie der wind
und die wolke
zwischen kommen
und gehen

warten
auf ein geschenk
vom himmel
das gestohlene blau


clo duri bezzola
[aus: das gestohlene blau/il blau engulà, gedichte/poesias, romanisch/deutsch - pendo]
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