31.03.2012

WUNDERBARE SACHEN.

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RUNDE WASCHBÄREN,
SUCHER, ANWENDBARE
RADNABEN, SCHWÜRE,
ABENDSCHAU. WERNER!
RAUNENDER SCHWABE.
AUCH BRENNERS WADE.


marianne rieter
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29.03.2012

die trichter.

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zwei trichter wandeln durch die nacht.
durch ihres rumpf verengten schacht
fliesst weisses mondlicht
still und heiter
auf ihren
waldweg
u. s.
w.


christian morgenstern
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28.03.2012

schnipsel #153

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iPhone foto: marianne rieter


was man nicht hat, das hat man nicht - und umgekehrt :::: von rosen und anderen stoffmustern oder temporäre geschmacksverstauchungen altweiberischer art :::: ein goldiger berg, pommes mit käse und der schlafende herr tischnachbar :::: ina und das lied von den gehäuteten schafen :::: sturm der liebe, wege zum glück und der schlüssel im briefkasten :::: der rasende büffel vs die fehlende kraft in den unterarmen oder nur fliegen ist schöner :::: flashback oder wenn man für einen moment die alphörner vermisst und den blick in die berge :::: ein dichter muss embedded sein!? - omg! :::: ein bisschen grün oder clematis vitalba + spiraea x vanhoutttei :::: ganz & gar, hell & klar, wunderbar :::: die prinzessin mit den schönen augen bzw. living in a box with a fox :::: denken sie weniger und schreiben sie mehr, madame! :::: nonsense!?
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27.03.2012

das blau

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das blau der luft ist von einer farbe, die aus licht und finsternis zusammengesetzt wird.


leonardo da vinci

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25.03.2012

und dann renn ich jungen hunden hinterher.

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foto: marianne rieter



dass der himmel heut so hoch steht,
kann doch wirklich kein versehen sein.
und es ist bestimmt kein zufall,
dass die lichter sich vom dunst befrein.


konstantin wecker
[in: genug ist nicht genug]
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23.03.2012

you must believe

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you
you must
you must believe
you must believe in
you must believe in spring
spring in believe you must
must believe in spring you
in spring believe you must
believe you in spring must
you must in spring believe
in you believe must spring
must spring you in believe
believe must in you spring
in spring believe must you
you
you must
you must believe in spring
you must believe in
you must believe
you must
you must spring
spring
don't fall
don't fall in
don't fall in love
don't fall in love in spring
don't love in spring you fall
don't spring in love you fall
don't in love fall in spring
don't love
don't fall
don't spring
don't spring in love
spring in
love me
love me in spring
in spring love me
you must love me in spring
you
you must
you must believe
you must believe in me
you must believe in me in spring
you must believe in love


gertrude maria grossegger
[aus: im fluss, gedichte - publication pn°1, bibliothek der provinz]
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21.03.2012

einfaches frühstück

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eine grosse tasse kaffee
eineinhalb gehäufte teelöffel zucker
eine scheibe graubrot
   "          "       weissbrot
zwei stück butter
apfelgelee
ein weich gekochtes ei
eine prise salz
und nur nicht an gestern abend denken


nicolas born
[aus: gedichte - wallstein]

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20.03.2012

navigation

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eisensteine aneinander reiben
bis ein schmetterling kommt und zuhört

ein wort aus dem schwimmbad, das nachhallt
auf dem handrücken nachhause tragen

an der rinde riechen, welche äpfel
du mehrmals essen kannst

mit geschlossenen augen durch die menge gehen
dem dorn nach in deinem bauch

die knochen zurückgeben vor dem abflug
blank gereinigt

aufhören zu würfeln


andreas münzner
[aus: die ordnung des schnees, gedichte - zu klampen, edition postskriptum]
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18.03.2012

wieder ...

ho ripassato
le epoche
della mia vita          
wieder bin ich durch
die zeiten
meines lebens gegangen

giuseppe ungaretti
[in: "i fiumi/die flüsse" aus: gedichte, italienisch und deutsch,
in der übertragung von ingeborg bachmann - bibliothek suhrkamp
]

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17.03.2012

märz

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mein grünes herz tanzt
an der innenseite der
regenbogen. die möven
meines verstandes lassen
sich nieder. manchmal
bist du perlgrau und
versunken. manchmal
bist du so weit : da
musz ich dein lächeln aus
wiegenden zweigen lösen.
o triefende nacht.


friederike mayröcker
[aus: gesammelte gedichte - suhrkamp]
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16.03.2012

14.03.2012

last

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dein arm bricht ab
unter meiner last
die ich dir nicht abnehmen wollte

ein kuss muss dauern
bis die sonne wieder aufgeht

die mülltonnen brennen
nur draussen

wir halten uns
so gut es geht.


julia mantel
[aus: dreh mich nicht um - fixpoetry.verlag]
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13.03.2012

wundervoll

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wundervoll empfind ich in der hiesigen stille das zunehmen der vogelstimmen. abends, manchmal, gestaltet sich schon eine einzelne heraus, wird ganz figur in der luft, - am frühen morgen kochen sie alle durch einander, wie auf ein ganz leichtes feuer gestellt und weggerückt: man hat sie, erwachend, wie in einem vorraum des gehörs, noch gar nicht im gehör selbst.


rainer maria rilke
[brief an nanny wunderly-volkart vom 20.3.1922]
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12.03.2012

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genügend grün.
ein frühlingsregen
ging vorbei ein
amor lüstert durchs
gebüsch, übt list.
ein lüftlein wirbelt
sonnen auf.


elsbeth maag
[aus: das brombeerblau ist zurück, gedichte - rauhreif verlag]
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11.03.2012

gespräch unter bäumen

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dass es die bäume
die schwalben noch gibt
könnte ein trost sein
auch wenn sie das blühen
das fliegen verlernen
und dass wir noch immer
im reglosen schatten
worte mit worten berühren
als fehlte uns nichts


hans-ulrich treichel
[aus gespräch unter bäumen, gedichte - suhrkamp]
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10.03.2012

tagein.

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TAGEIN INDES, EGON,
DIE SONNIGEN TAGE -
SEIDIGE TONNAGEN!
*-)


marianne rieter
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09.03.2012

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ich stehe auf der erde: dies ist mein standpunkt. die stunden scherzen mit mir, und ich scherze mit ihnen. ich vermag mir keine köstlichere unterhaltung zu denken. tag und nacht sind meine gesellschaft. ich stehe auf vertrautem fuss mit dem abend und mit dem morgen. und hiermit grüsst sie freundlich der arme junge dichter.


robert walser
[in: brief eines dichters an einen herrn]
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08.03.2012

stehen geblieben

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stehen geblieben
in einem verwirrenden gelb
in herznähe stehen geblieben
mit weiter sicht
auf die vergangenheit


werner lutz
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07.03.2012

tagläufer

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auf den weg gebracht
klein
unscheinbar
wendig solltet ihr sein
geländegängig
drahtig muskulös
wörter zum festhalten
haltet ihr mich
an euch häng ich
unbelehrbar
mit eigensinn


doris runge
[aus: trittfeste schatten, gedichte - dva]
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06.03.2012

eine rose. eine stütze. ein wort.

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wer ist schon da um objekt zu sein
wie diese kompakte kleine frau effekt
voll modelliert vom mund bis zu den
wörtern und hat nicht jedes fliegende
kleid seinen helden mit unauffindbarem
grab aber das ist, verzeihung, taktlos!
wie die geschichte von den augen den
verweinten einer schmalen dichterin
und gibt nicht jeder sich selbst und
der welt ein nachbearbeitetes bild
lässt beseitigen oder setzt seine besten
wünsche in die luft wie die flügel dieser
wurmstichigen taube ihr lächeln über
weichgezeichneten büchern buchstaben
an denen die blicke sich halten die
erinnerung ins rechte licht gerückt
das leben gefiltert entstört verwischt.


marianne rieter
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05.03.2012

möwenlied

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foto: marianne rieter




die möwen sehen alle aus,
als ob sie emma hiessen.
sie tragen einen weissen flaus
und sind mit schrot zu schiessen.

ich schiesse keine möwe tot,
ich lass sie lieber leben -
und füttre sie mit roggenbrot
und rötlichen zibeben.

o mensch, du wirst nie nebenbei
der möwe flug erreichen.
wofern du emma heissest, sei
zufrieden, ihr zu gleichen.


christian morgenstern
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04.03.2012

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aufzeichnungen sind fragmente eines lebens, das sich, als ganzes, verbirgt in nebensätzen und reflexartig aufblinkt in wörtern, die einzig ein rutengänger richtig liest, der instinkt hat für gemeine zusammenhänge.


erika burkart
[aus: grundwasserstrom, aufzeichnungen - ammann]

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03.03.2012

neues wesen

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blau kommt auf
wie mörikes leiser harfenton.
immer wieder
wird das so sein.
die leute streichen
ihre häuser an.
auf die verschiedenen wände
scheint sonne.
jeder erwartet das.
frühling, ja, du bist's!
man kann das nachlesen.
die grüne hecke ist ein zitat
aus einem unbekannten dichter.
die leute streichen auch
ihre familien an, die autos,
die boote.
ihr neues wesen
gefällt allgemein.


karl krolow
[aus: alltägliche gedichte - suhrkamp]

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02.03.2012

vorfrühling

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härte schwand. auf einmal legt sich schonung
an der wiesen aufgedecktes grau.
kleine wasser ändern die betonung.
zärtlichkeiten, ungenau,

greifen nach der erde aus dem raum.
wege gehen weit ins land und zeigens.
unvermutet siehst du seines steigens
ausdruck in dem leeren baum.


rainer maria rilke
[aus: die gedichte 1922 bis 1926]
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01.03.2012

wir wissen, was soll es bedeuten

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ein tag wie dieser
hat uns noch gefehlt,
wie einstmals viele fehlten,
um hier anzukommen.

und viele fehlen noch.
um satt zu werden,
satt zu sein,
bedarf es mehr.
all das, was berge spein,
wie flüsse schwellen,
weltbrand schwelt.

und immer ist es dieser tag,
ein tag taghell, ein flügel,
der nicht brechen darf,
der uns noch fehlt.


elisabeth borchers
[aus: alles redet, schweigt und ruft, gedichte - suhrkamp]

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