16.10.2010

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nur eine rose als stütze


ich richte mir ein zimmer ein in der luft
unter den akrobaten und vögeln:
mein bett auf dem trapez des gefühls
wie ein nest im wind
auf der äussersten spitze des zweigs.

ich kaufe mir eine decke aus der zartesten wolle
der sanftgescheitelten schafe die
im mondlicht
wie schimmernde wolken
über die feste erde ziehn.

ich schliesse die augen und hülle mich ein
in das vlies der verlässlichen tiere.
ich will den sand unter den kleinen hufen spüren
und das klicken des riegels hören,
der die stalltür am abend schliesst.

aber ich liege in vogelfedern, hoch ins leere gewiegt.
mir schwindelt. ich schlafe nicht ein.
meine hand
greift nach einem halt und findet
nur eine rose als stütze.


hilde domin


anmerkung:
»die sprache ist die äusserste zuflucht.« -
die domin mit ihrem merkwürdigen leben...
ein lesenswerter artikel von ulla hahn in zeit online.



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Kommentare:

Quer hat gesagt…

Schön und frisch ist das wie eh und je.

Liebe Grüsse ins regnerische Wochenende,
Brigitte

Stefanie hat gesagt…

...und manchmal nicht mal eine Rose, Hilde!