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13.10.2020

28.09.2020

captain, my captain.

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die brüche in der stimme
die hellen krähenfüsse
die schönen hände

ich wusste kaum
um die bedeutung
jener zeit

unter deinem dach
an deinem tisch
dein kind sein

wieder
und so lange ich bin
deine hand auf meiner spüren


marianne rieter
(ohne datum - heute beim räumen gefunden)
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23.12.2019

12.11.2019

im innersten.

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im innersten zufrieden
nichts wollen nichts tun
so möchte ich sein
namenlos
wie vogel im schwarm
hering im meer
und wenn es zeit ist
sterben sanft

oskar pfenninger 1930-2019
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28.08.2019

hoffen.

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hoffen
weit über die ausgestreckte hand hinaus

werner lutz
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06.05.2019

schöner.

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schöner sind die gedichte des glücks.

wie die blüte schöner ist als der stengel
der sie doch treibt
sind schöner die gedichte des glücks.

wie der vogel schöner ist als das ei
wie es schön ist wenn licht wird
ist schöner das glück.

und sind schöner die gedichte
die ich nicht schreiben werde.

hilde domin
[aus: hier, gedichte - fischer]

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das ist wie in alten geschichten ...

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das ist wie in alten geschichten
aus unserem kinderland,
als wir eine blume waren
und manchmal ein schmetterling.
weise und unerfahren.

eva strittmatter
[aus: schwebendes leben]
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29.04.2019

im grünen ...

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frauen- und vogelköpfe
im laub, das aussieht wie laub
der aquarellmaler.

hier kann man sitzen
und langsam mit der luft sprechen.
grün: bis unter die herzen,
unter den kinderhimmel,
in dem jeder verdacht
zur wolke wird.

es macht kopfweh, weil es
noch bei geschlossenen augen
grün bleibt.

aber man kann auch darüber lachen
und sich ein blaues fahrrad ausdenken,
mit dem man den horizont entlang
fährt.

karl krolow
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gleichnis vom schreiben

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nicht immer fällt zauber
von der stirne aufs blatt und
immer ist nur eines da die
blösse zu bedecken: grün
oder weiss

aber man kann schiffe
falten und sie durch die luft
segeln lassen beladen mit efeu
und rosenbäumen und
bei auffrischendem wind
fahren die schiffe ein
im garten des blinden gärtners
und er legt hellblühende
reihen an und seine hand
geht von blatt zu blatt


brigitte fuchs
[aus: suchbild mit garten - kukuruz]

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21.02.2019

frage

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was bin ich?
ein kosmischer strahl
aus fernen welten.
sterngefunkel,
sonnenglanz,
mondschein
schufen mich
auf dieser erde,
wo fremd ich wandle,
wo fern ich bin
dem blauen licht der sterne,
dem warmen glanz der sonne,
dem silbrig mondschein
weiss und keusch
voll sehnsucht nach
dem jenseits
überirdisch schön und licht ...

nell walden
[gefunden bei fixpoetry]

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04.02.2019

die erde.

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die erde ist wie ein kind, das gedichte weiss ...

rainer maria rilke
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14.01.2019

aber..

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aber die fragen
fragen nicht mehr
und nur
die fertigen antworten
geben den antworten
antwort

erich fried
[in: schwache stunde - aus: was bist du mir?, verlag klaus wagenbach, berlin]

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11.01.2019

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auf der suche
nach etwas schönem wie schnee
ging ich leer aus
bis es des wegs zu schneien begann.

elisabeth borchers
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07.01.2019

vielleicht auch.

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wohin du auch gehst, 
geh mit deinem ganzen herzen.
- konfuzius



zur falschen zeit am falschen
ort gingen die uhren richtig
fanden die kinder die väter
nicht und umgekehrt fragt man
nach dem sinn zeigen sich
die gründe fürs bleiben hinter
den jahren hinter der zeit

in der hilflosigkeit der mütter
am ende der kette all jener
früheren bilder gleichen wir
ihnen wie perlen und mehr
als im wasser wurzeln wir nicht
fassbar für die andern in der
luft die wir atmen

im flüchtigen raum lernten
wir geborgen sein was so viel
einfacher wäre denn wörter
aus steinen zu schälen zu warten
zu hoffen zu glauben dass gut ist
was ist und was wird
vielleicht auch

marianne rieter
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04.01.2019

die blaue blume.





































er sah nichts als die blaue blume
und betrachtete sie lange
mit unnennbarer zärtlichkeit.

novalis
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02.01.2019

manchmal.

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manchmal flutet
das meer die wolken
kratzer und ein fuss
bricht sich den schuh
bevor ein weg
überflüssig erscheint
fliegt der stein
zurück auf den mond

eva-maria berg
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28.12.2018

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das schöne trat mir so still entgegen. auffälligkeiten und unauffälligkeiten
gaben sich die hand und waren wie verschwistert. das bedeutende zerrann,
und ich widmete den unbedeutenden dingen eine genaue achtsamkeit und
war sehr glücklich dabei. so vergingen die tage, wochen, monate…

robert walser
[aus: das frühjahr, 1915]
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20.12.2018

nur nicht enden ...

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nur nicht enden möge diese seligkeit dieses lebens nur nicht enden ich habe ja erst angefangen zu schauen zu sprechen zu schreiben zu weinen und hinter den jalousien das mich scheuchende licht des morgens, oh sprieszendes blut und blüte des leibes, 'privatisierung der literatur' (jd), wahnwitz der heiligkeit dieses lebens das ich ans herz (drücke), das mir so teuer – wahrlich dieser mich umarmende horizont gabe meiner bekenntnisse während wehende veilchen.


friederike mayröcker
[aus: dieses jäckchen (nämlich) des vogel greif. gedichte 2004-2009 - suhrkamp]