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27.12.2011

freie verse

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gestern nacht erwachte ich wusste
dass ich mich nun von diesen versen
verabschieden sollte. so geht es immer
nach einigen jahren. sie müssen hinaus
in die welt. es ist nicht möglich, sie
ewig! hier unter dem dach zu behalten.
arme dinger. sie müssen hin in die stadt.
wenige werden später zurückkommen dürfen.
jedoch die meisten treiben sich draussen herum.
wer weiss was aus ihnen noch wird. eh sie
zur ruhe gelangen.


sarah kirsch
[aus: sämtliche gedichte - dva]

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06.08.2011

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eines tages werde ich gewissenlos glücklich sein, da
wird mich die nachricht erreichen, ich weiss nicht
ob sommer oder wässriger schnee ist, kann sein
ich schäle kartoffeln …


sarah kirsch
[in: eines tages, aus: sämtliche gedichte – dva]
gefunden bei monalisa

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25.07.2011

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atempause


der himmel ist rauchgrau aschgrau mausgrau
bleifarben steingrau im land
des platzregens der dauergewitter
die aufgequollenen wiesen die gärten
verfaulen und hunden sind über nacht
flossen gewachsen sie tauchen
nach jedem silbernen löffel der
aus dem fenster fällt wenn augenblicklich
behäbige marmeladen bereitet werden
in küchen bei gutem wetter durchflogen
von bäurinnen heu im gewand dampf
im hintern auf rübenhacken am mittag.


sarah kirsch
[aus: sämtliche gedichte - dva]

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28.06.2011

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das fenster


die vielen himmel über
sehr flachem land! im ersten
fliegen die elstern, im zweiten

hochfahrende wolken. der dritte
für lerchen. im vierten
sah ich ein flugzeug stehn.

aus dem fünften funkelt der stern.
die toten schmetterlinge auf den dielen.
bevor es zerfällt, verkauft man ein haus.


sarah kirsch
[aus: sämtliche gedichte – dva]

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12.10.2010



spektakel


die elstern auf dem steilen dach
unverständlich was sie bezwecken
mühn sich für nichts und wieder nichts
langschwänzige schlurfende schreitende
dauernd verwandelte tragische komische vögel
die sich am ende verbeugen die krähen
sind blass vor so viel gerissenheit kunst.


sarah kirsch
[aus: erdreich, gedichte – dva]