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26.11.2018

es ist zeit.

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es ist zeit, dass man weiss!
es ist zeit, dass der stein sich zu blühen bequemt,
dass der unrast ein herz schlägt.
es ist zeit, dass es zeit wird.

es ist zeit.

paul celan
[in: corona, aus: mohn und gedächtnis - deutsche verlags-anstalt]

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31.01.2012

wer sein herz ...


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wer sein herz aus der brust reisst zur nacht, der langt nach der rose.
sein ist ihr blatt und ihr dorn,
ihm legt sie das licht auf den teller,
ihm füllt sie die gläser mit hauch,
ihm rauschen die schatten der liebe.

wer sein herz aus der brust reisst zur nacht und schleudert es hoch:
der trifft nicht fehl,
der steinigt den stein,
dem läutet das blut aus der uhr,
dem schlägt seine stunde die zeit aus der hand:
er darf spielen mit schöneren bällen
und reden von dir und von mir.


paul celan
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13.09.2011

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vom blau


vom blau, das noch sein auge sucht, trink ich als erster.
aus deiner fußspur trink ich und ich seh:
du rollst mir durch die finger, perle, und du wächst!
du wächst wie alle, die vergessen sind.
du rollst: das schwarze hagelkorn der schwermut
fällt in ein tuch, ganz weiss vom abschiedwinken.


paul celan
[aus: die hand voller stunden und andere gedichte - studio dtv]

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07.04.2011

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ich weiss,
ich weiss und du weisst, wir wussten,
wir wussten nicht, wir
waren ja da und nicht dort,
und zuweilen, wenn
nur das nichts zwischen uns stand, fanden
wir ganz zueinander.


paul celan
[in: soviel gestirne, die man uns hinhält]
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02.04.2011

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frag mich nicht warum, wozu, aber sei da für mich, einen abend lang oder zwei, drei. führ mich an die seine, wir wollen so lange hineinschauen, bis wir kleine fische geworden sind und uns wieder erkennen.


ingeborg bachmann an paul celan – 24.06.1946
[aus: herzzeit, briefwechsel – suhrkamp]
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20.01.2011

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lebenslied


die käfer der nacht
kommen.
sie wandern über deine hände in die welt.
es hat ein wind dich quer
gelegt über die schluchten.
du bist die brücke und weisst es nicht.

so schlaf denn, schlafe: wimpern sind nicht zeichen mehr.

es hat ein wind dich quer
gelegt über die schluchten.
du bist die brücke, doch du weisst es nicht.

die käfer der nacht
kommen.


paul celan
[aus: die gedichte, kommentierte gesamtausgabe - suhrkamp]
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15.10.2010

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schreib dich nicht
zwischen die welten,

komm auf gegen
der bedeutungen vielfalt,

vertrau der tränenspur
und lerne leben.

paul celan
[aus: die gedichte, kommentierte gesamtausgabe - suhrkamp]



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