Posts mit dem Label bachmann. werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label bachmann. werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

02.07.2018

alles ...

.



alles ist eine frage der sprache.

ingeborg bachmann
.

23.02.2012

nach grauen tagen

.
eine einzige stunde frei sein!
frei, fern!
wie nachtlieder in den sphären.
und hoch fliegen über den tagen
möchte ich
und das vergessen suchen ---
über das dunkle wasser gehen
nach weissen rosen,
meiner seele flügel geben
und, oh gott, nichts wissen mehr
von der bitterkeit langer nächte,
in denen die augen gross werden
vor namenloser not.
tränen liegen auf meinen wangen
aus den nächten des irrsinns,
des wahnes schöner hoffnung,
dem wunsch, ketten zu brechen
und licht zu trinken ---
eine einzige stunde licht schauen!
eine einzige stunde frei sein!



ingeborg bachmann
.

05.01.2012

im schatten.

.



in die mulde meiner stummheit
leg ein wort
und zieh wälder gross zu beiden seiten,
dass mein mund
ganz im schatten liegt.


ingeborg bachmann
[aus: psalm – in die gestundete zeit]
.

02.01.2012

allegria di naufragi - freude der schiffbrüche

e subito riprende
il viaggio
come
dopo il naufragio
un superstite
lupo di mare
und plötzlich nimmst du
die fahrt wieder auf
wie
nach dem schiffbruch
ein überlebender
seebär

giuseppe ungaretti
[aus: gedichte, italienisch und deutsch, in der übertragung von ingeborg bachmann -
bibliothek suhrkamp
]


.

08.10.2011

19.09.2011

.



mein blau, mein herrliches blau,
in dem die pfauen spazieren und
mein blau der fernen,
mein blauer zufall am horizont


ingeborg bachmann

.

02.04.2011

.


frag mich nicht warum, wozu, aber sei da für mich, einen abend lang oder zwei, drei. führ mich an die seine, wir wollen so lange hineinschauen, bis wir kleine fische geworden sind und uns wieder erkennen.


ingeborg bachmann an paul celan – 24.06.1946
[aus: herzzeit, briefwechsel – suhrkamp]
.

23.03.2011

.


tramonto


il carnato del cielo
sveglia oasi
al nomade d'amore




sonnenuntergang


die rötung des himmels
weckt oasen
für den nomaden der liebe


giuseppe ungaretti
[aus: gedichte, italienisch und deutsch, übertragen von ingeborg bachmann - suhrkamp]

.

02.10.2010



ruhe


die traube ist reif, das feld gepflügt.
von den wolken löst sich der berg.

auf die staubigen sommerspiegel
ist der schatten gefallen,

zwischen den unsichtbaren fingern
ist ihr licht klar
und fern.

mit den schwalben zieht
die letzte mühe.


giuseppe ungaretti
[übersetzt von ingeborg bachmann]