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28.05.2012

antworten ...

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habe geduld gegen alles ungelöste in deinem herzen und versuche, die fragen selbst lieb zu haben wie verschlossene stuben und wie bücher, die in einer sehr fremden sprache geschrieben sind. forsche jetzt nicht nach antworten, die dir nicht gegeben werden können, weil du sie nicht leben kannst und es handelt sich darum alles zu leben. lebe jetzt die fragen - vielleicht lebst du dann allmählich ohne es zu merken in die antwort hinein.

rainer maria rilke
[bei diesem wundervollen foto gefunden]

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13.03.2012

wundervoll

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wundervoll empfind ich in der hiesigen stille das zunehmen der vogelstimmen. abends, manchmal, gestaltet sich schon eine einzelne heraus, wird ganz figur in der luft, - am frühen morgen kochen sie alle durch einander, wie auf ein ganz leichtes feuer gestellt und weggerückt: man hat sie, erwachend, wie in einem vorraum des gehörs, noch gar nicht im gehör selbst.


rainer maria rilke
[brief an nanny wunderly-volkart vom 20.3.1922]
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02.03.2012

vorfrühling

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härte schwand. auf einmal legt sich schonung
an der wiesen aufgedecktes grau.
kleine wasser ändern die betonung.
zärtlichkeiten, ungenau,

greifen nach der erde aus dem raum.
wege gehen weit ins land und zeigens.
unvermutet siehst du seines steigens
ausdruck in dem leeren baum.


rainer maria rilke
[aus: die gedichte 1922 bis 1926]
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17.01.2012

tage ...

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tage, wenn sie scheinbar uns entgleiten,
gleiten leise doch in uns hinein,
aber wir verwandeln alle zeiten;
denn wir sehnen uns zu sein ....


rainer maria rilke
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04.12.2011

ich liess meinen engel lange nicht los

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ich liess meinen engel lange nicht los,
und er verarmte mir in den armen
und wurde klein, und ich wurde gross:
und auf einmal war ich das erbarmen,
und er eine zitternde bitte bloss.

da hab ich ihm seine himmel gegeben, -
und er liess mir das nahe, daraus er entschwand;
er lernte das schweben, ich lernte das leben,
und wir haben langsam einander erkannt...


rainer maria rilke
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01.11.2011

herbst.

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foto: marianne rieter




die blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den himmeln ferne gärten;
sie fallen mit verneinender gebärde.

und in den nächten fällt die schwere erde
aus allen sternen in die einsamkeit.

wir alle fallen. diese hand da fällt.
und sieh dir andre an: es ist in allen.

und doch ist einer, welcher dieses fallen
unendlich sanft in seinen händen hält.


rainer maria rilke
[aus: das buch der bilder]

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31.07.2011

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vergessen wir nie: das leben ist eine herrlichkeit!


rainer maria rilke

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05.05.2011

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das ist die sehnsucht: wohnen im gewoge
und keine heimat haben in der zeit.
und das sind wünsche: leise dialoge
täglicher stunden mit der ewigkeit.

rainer maria rilke
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19.02.2011

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foto: marianne rieter



seit mich mein engel nicht mehr bewacht,
kann er frei seine flügel entfalten
und die stille der sterne durchspalten, -
denn er muss meiner einsamen nacht
nicht mehr ängstlichen hände halten -
seit mich mein engel nicht mehr bewacht.


rainer maria rilke
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