11.12.2010

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käme doch einer und fragte...

nach dem was und dem wie
und muss-es-so-sein?

käme doch einer
bestünde auf antwort

gäbe acht
auf das was und das wie

wär ich doch einer der täte
was sein muss


ilana shmueli
[aus: zwischen dem jetzt und dem jetzt – rimbaud, gefunden bei lyrikline]

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10.12.2010

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alles in allem


ein windiges spiel
woran ich festhalte
hält mich nicht

bilder
die ich sehe nicht sehe
die mich nicht sehen
durch die ich hindurchgehe

licht
das ich sehe nicht sehe
das mich sieht nicht sieht
durch das ich hindurchgehe

täuscht
helle flächen tragen
weiter als dunkle

schnee trägt
und den weissen
wüstensand
sah ich schon einmal
von oben


doris runge
[aus: trittfeste schatten, gedichte – dva]

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09.12.2010

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animation: monika umba



there's a bluebird in my heart that
wants to get out
but i'm too clever, i only let him out
at night sometimes
when everybody's asleep.
i say, i know that you're there,
so don't be
sad.
then i put him back,
but he's singing a little
in there, i haven't quite let him
die
and we sleep together like
that
with our
secret pact
and it's nice enough to
make a man
weep, but i don't
weep, do
you?


charles bukowski
[auszug aus: bluebird]

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08.12.2010

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mittlere jahre


schon beim frühstück der blick aus dem fenster: zu spät
der morgenstern wieder einmal erloschen
überhaupt das da oben verwirrend

die kinder am tisch ihr plappern und lachen
kaum sind sie weg fällt alles
in seltsamste stille

jetzt ins offene gehn – hinaus und hinweg!
doch vom wünschen bleibt nichts übrig als wünsche
nie einsamer als in diesen stunden

vorm fenster schwankt eine magnolie im wind
das telefon klingelt dann steht es stumm
und die entfernungen wachsen


jörg bernig
[aus: kein thema – anthologie, gedichte – verlag im proberaum 3]

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07.12.2010

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sein, was man geworden ist.


erik h. erikson

gefunden bei wildgans

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06.12.2010

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vor augen


jenes spaltbuch voll
imponderabilien
das als palimpsest
diesen unlesbaren text berührt

diese überblendung einer traumsequenz
überschreitung und freisetzung
eines unkodierbaren
rests der nicht aufgeht

im flimmerbildschirmbild oder auf fixpapier
immer entzieht sich
die möglichkeit des verstehens

dir aufgehobenem in deinem verlorenen sommer
verschweigst du für immer
wer du bist


marc hermann
[aus: vom verschwinden bleibt, gedichte – edition isele]



05.12.2010

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das geschriebene kommt wie der wind, es ist nackt, es ist tinte, es ist das geschriebene, und es geht vorüber, wie nichts anderes im leben vorübergeht, nichts weiter, ausser das leben.


marguerite duras
gefunden in durchlesers blog

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04.12.2010

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schweigen,
vermehrt um den schnee,
um den regen,
um die nacht,
um viele tage und wieder nächte.
schweigen,
vermehrt um die nie gesagten worte.


max bolliger
[aus: schweigen, vermehrt um den schnee]
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03.12.2010

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möwen


schaumkronen des windes, geflügelt
ihr hierhier in der mündung nordost

antwort auf die wiederholte
frage des meers: wo ist der strand?

letzter zuruf für taucher und träumer
zwischen boje und windpark gespannter

anker für boote und wolken
die schweben von blau zu blau

magie für bäume im hinterland
die blind vom wasser träumen

gepielt auf dem gras, auf dem dünenkamm
heute die antwort für die, die das meer suchen


birgit kreipe
[aus: die schönheit ein deutliches rauschen, ostseegedichte – edition wörtersee, connewitzer verlagsbuchhandlung peter hinke]
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02.12.2010

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eine rose. eine stütze. ein wort.


wer ist schon da um objekt zu sein
wie diese kompakte kleine frau effekt
voll modelliert vom mund bis zu den
wörtern und hat nicht jedes fliegende
kleid seinen helden mit unauffindbarem
grab aber das ist, verzeihung, taktlos!
wie die geschichte von den augen den
verweinten einer schmalen dichterin
und gibt nicht jeder sich selbst und
der welt ein nachbearbeitetes bild
lässt beseitigen oder setzt seine besten
wünsche in die luft wie die flügel dieser
wurmstichigen taube ihr lächeln über
weichgezeichneten büchern buchstaben
an denen die blicke sich halten die
erinnerung ins rechte licht gerückt
das leben gefiltert entstört verwischt.


marianne rieter
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