10.02.2011

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foto: marianne rieter



die leise stunde,
in der herzen wie angelehnte türen sind
die den schmerz einlassen
als den bruder der freude:

sie hält sich bereit für die liebenden
die sich aneinander halten
über dem abgrund des ich
und einander lassen
um einer des anderen tröstung zu sein.


irmela dehning
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09.02.2011

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hart am wind


kein golf gespielt und kein
billard, keinen hund dressiert.

nie ein schweres motorrad gelenkt
oder gesegelt hart am wind.

und manchmal verliess
mich die kühnheit

auf einem wort zu bestehen
wie wolke und wald.

doch immer öfter sehe
ich meinen nächsten

bis auf ihre kinder-
gesichter hinein.


klaus merz
[aus: aus dem staub, gedichte – haymon]
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08.02.2011

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collage: marianne rieter



in worten wohnen aus metamorphosen.
wir brauchen keine beweise dass wir leben.


rose ausländer
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07.02.2011

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für aglaja veteranyi

sehrblau war dein blick über den dingen
und was du dir dachtest dabei immer
brüchig und auf der flucht vorm zu vielen
gewicht hielts dich nirgends länger als
ein erdendreh frau zwischen den seilen
zeilen tanzend fundfreudig im fremden
gut und wortreich dennoch nicht hin
reichend fürs leben schlechthin


alexandra lavizzari
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06.02.2011

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das konstruieren von atmosphäre


dachte ich es mir doch. dieses augenspiel
kann nicht echt sein. diese ungewohnten
scharfstellen. man muss sie sich einbilden.
von der zweiten oder dritten sitzreihe aus.
ich sehe mich um und die sonne scheint.
die sonne scheint wirklich. auch da wo ich
stehe und er geht. wenn ich will kommt er
zurück. mit dem ersten schnee unter dem
arm. die reihen sind unbesetzt. nimm platz.
doch so weit denke ich nie.


brigitte fuchs
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05.02.2011

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eines der wörter, die
wir gross schreiben müssen



das gross zu schreibende wort
das die vögel intonieren
selbst noch ihr schatten im flug
singt ein lied davon
die schiffe tragen es von ufer zu ufer
und die wolken über die berge
die bäume verneigen sich
vor der allmacht des wortes sehnsucht
und die wellen sind müde
vom wandern und warten.


elisabeth borchers
[aus: eine geschichte auf erden - suhrkamp]
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04.02.2011

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schweigsam


noch bliebe ein rest zu sagen
mein mund ist vorübergehend geöffnet

dann wieder geschlossen
die speerspitzen mit denen du zielst

sind vergiftet –
wenn man stille fotografieren könnte

wäre mein schweigen ein fisch
glatt und silbern

und er sähe aus der tiefe
zu dir hoch


andreas noga
[aus: orakelraum, lyrische collagen - silver horse edition]
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03.02.2011

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auf wörtern reisen


im zimmer sitzen
und auf wörtern reisen

auf sätzen durch verschlossene türen fliegen

herzen
aufschliessen mit dem
schlüssel wort

fluchen, segnen, hassen, lieben
alles
wortwörtlich


eveline hasler
[aus: auf wörtern reisen, gedichte - pendo]

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02.02.2011

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gehen sie mit den gedichten so misstrauisch um wie mit einem hausierer an der wohnungstür. denken sie stets daran, dass gedichte eitel sind und ihnen etwas aufschwatzen wollen, vorzugsweise sich selbst. beachten sie, dass gedichte ihre zeit und ihr geld kosten wollen, weil sie selbst zeit und geld gekostet haben. lesen sie das kleingedruckte! gedichte, die ihnen ehrfurcht, hochachtung, gottvertrauen in profaner form, kunst um der kunst willen abverlangen - statt verstand, gefühl und vergnügen an beidem, lesen sie bitte mit doppeltem misstrauen.


peter maiwald
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01.02.2011

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w

weder wollen noch wehren
weder wundern noch warten
weder wünschen noch wenn
weder wahnsinn, nur sommerverhangenwarm
warten noch die ewig kleine weile,
denn da waren doch die waghalsig
vagen wege,
wem zugewandt und wem verwandt?
und dann die wende: weg
von der langen weile.
wer da war, der ist
am schreibtisch, nun winterverhangenwarm.



lucia anna geis
gefunden bei fixpoetry
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