11.07.2011

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an mein herz am sonntag


ich danke dir, mein herz,
dass du nicht säumst, dass du dich regst
ohne entgelt und ohne lob,
aus angeborenem fleiss.

siebzig verdienste hast du in einer minute.
jede deiner muskelbewegungen
ist wie ein anstoss des bootes
ins offene meer
zur fahrt um die welt.

ich danke dir, mein herz,
dass du mich ab und zu
herausnimmst aus der ganzheit,
als einzelheit selbst im traum.

du sorgst dafür, dass ich mich nicht
ganz und gar verflüchtige
in einem flug,
der keine flügel braucht.

ich danke dir, mein herz,
dass ich wieder erwacht bin -
und obwohl es sonntag ist,
ein tag der ruhe,
hält der verkehr unter den rippen an
wie sonst an den wochentagen.


wislawa szymborska
[aus: hundert freuden, gedichte - suhrkamp]

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10.07.2011

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alltägliches.


davon ausgenommen hübsche fremdworte
leuchtende wolken helle vogelstimmen
am morgen und beim einnachten ein glas
gavi in der abendsonne oder zweidrei
kerzen auf dem tisch mein privates abc
und die wärme seines lichts das rauschen
der buchen ihr wiegen und glitzern im
sommerregen quer durchs bild fahrende
züge überhaupt diese welt da unten der
dumpfe bass vom salzhaus die menschen
im park die regelmässigen besuche des
katers auch das unbändige einer alten
hopfenpflanze die telefonstimme vom
nachbarn oder die tangotänzer schräg
vis-à-vis die idylle im fenster über mir
ein paar krumme kreidestriche vor der tür
die ruhe am sonntagmorgen das fahrige
lächeln im geäst die fluchten diese tiefen
schichten von glas


marianne rieter

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08.07.2011

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blau


dieses blau war nicht käuflich.
es stellte sich freiwillig ein,
zur einzig möglichen stunde.

der himmel erkannte sich wieder.

"so ähnlich",
rauschte das meer.

eine zeitlang sah die sonne durchs fenster
auf die leinwand.
über ihr dasein beruhigt
wanderte sie weiter.

dieses blau war nicht käuflich.
es stellte sich freiwillig ein,
zur einzig möglichen stunde.
zur einzig möglichen stunde
erschien dieses blau.


rainer malkowski
[aus: hunger und durst, gedichte - suhrkamp]

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07.07.2011

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vorschau:
brennpunkte - lyrik aus der schweiz


irène bourquin, brigitte fuchs, svenja herrmann, marianne rieter, nathalie schmid
und elisabeth wandeler-deck und sechs illustrationen von judith sombray.
vorwort: beat brechbühl.


der band erscheint am 25.08.2011 - subskriptionspreis bis  20.08.2011 10,00 euro
über bestellungen freuen sich die autorinnen und fixpoetry

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06.07.2011

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es chunnt äbe so wies chunnt
& so wies chunnt chunnts äbe guet


patent ochsner
[in: am schärme - schlachtplatte]


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05.07.2011

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foto: marianne rieter



schnipsel #150

 
die katze lässt das mausen nicht! & die geschichte von der mutter und der verflixten küchenschublade :::: tibetische freundlichkeit mit blick auf den see :::: simultan chirurgische eingriffe, zwei rostige schlüssel & noch so ein paar magische ungereimtheiten :::: members only, ein schlagzeugsolo & diverse abgehende zäpfli in der näheren umgebung :::: eine philosophisch angehauchte weisse bluse mit rüscheli & ein neues spielzeug mit stögelischueh :::: klösterliche schafe neben sonnenblumen- und anderen feldern bzw. back to the roots! :::: bettsocken & ähnlich gelagerte nettigkeiten :::: es ist wie es ist, resp. 1 inch = 2.54 cm (nicht mehr und nicht weniger) :::: aaaahh oder flashback ins kafi luna bzw. der hügel im auhöfli & eine chilbi mit gauloises und mehr oder das innerliche kopfschütteln & schmunzeln beim lesen pubertierender tagebucheinträge :::: uff!!
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04.07.2011

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nur für dich


heimlich wachsen
ohne grosse worte
einfach ein bisschen wachsen
zwischen den zeilen
luft holen und etwas tun
von dem du nicht glauben kannst
das es möglich ist
und heimlich wachsen
nur für dich


hermann josef schmitz

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03.07.2011

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wir könnten menschen sein -
einst waren wir schon kinder.
wir sahen schmetterlinge,
wir standen unter dem silbernen wasserfall.
wir sahen den huschenden glanz im innern der muschel,
wir sahen alles.
wir hielten die muschel ans ohr.
wir hörten das meer.
wir hatten zeit


max frisch

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02.07.2011

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eigentlich bin ich ganz anders,
aber ich komme so selten dazu.


ödön von horváth

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01.07.2011

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einen jener klassischen
schwarzen tangos in köln, ende des
monats august, da der sommer schon

ganz verstaubt ist, kurz nach laden
schluss aus der offenen tür einer

dunklen wirtschaft, die einem
griechen gehört, hören, ist beinahe

ein wunder: für einen moment eine
überraschung, für einen moment

aufatmen, für einen moment
eine pause in dieser strasse,

die niemand liebt und atemlos
macht, beim hindurchgehen. ich

schrieb das schnell auf, bevor
der moment in der verfluchten

dunstigen abgestorbenheit kölns
wieder erlosch.


rolf dieter brinkmann
[aus: die welt ist aus dem stoff, der betrachtung verlangt - herausgegeben von uwe brandner]

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