21.10.2011

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nacht


die lamellen stehen offen.
die stadt wirft lichtgirlanden herein
legt scheinkronen auf
vergoldet den tüll.

das glück wird sichtbar
durch einen spalt.
der atem, der dich anfliegt
zieht uns hindurch.


klaus merz
[aus: die lamellen stehen offen, frühe lyrik 1963-1991, werkausgabe band 1, herausgegeben von markus bundi – haymon]

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20.10.2011

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marianne rieter

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19.10.2011

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am rande des abgrunds klammert er sich an bleistifte.


elias canetti

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18.10.2011

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foto: marianne rieter




so wie keine blume ohne farbe gedacht werden kann, so ist kein mensch ohne poesie.


sophie bernhardi

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17.10.2011

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i vecchidie alten


li vedo passare
come un sogno
sotti il peso
delle loro primavere
i vecchi
pieni di segreti
nascondono il loro pensiero
sotto le rughe intelligenti
e il silenzio dei loro passi
è un affronto
al fragore confuso
del mondo


wie ein traum
seh ich sie vorüberziehn
unter dem gewicht
ihrer lenze,
die alten
voller rätsel
die gedanken geborgen
hinter klugen falten
und die ruhe ihrer schritte
ein hohn
dem dunklen lärm
dieser welt.
giuseppe godenzi
[aus: sbrinzlas funken scintille, gegenwartslyrik aus graubünden -
pro lyrica, schweizerische lyrische gesellschaft, mevina puorger
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15.10.2011

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wenn ich nur schreiben könnte
dann wär es gut
so aber bin ich leer
als hätt ich mich schon
ausgeschrieben

es kann sein
dass ich nun andere brücken
bauen muss
ich brauche eine neue sprache
für mein neues ich

ach - vieles
möcht ich gehen lassen
wohin es will
ich möcht verlieren
was ich nie besass


gabriele nutz
[aus: fiel mir deine seele ins herz, gedichte - k. fischer]

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14.10.2011

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ich schalte, um meine 'bewusstseinsmaschine' in gang zu bringen, auf erinnerungs-
punkte irgendwelcher vergangenheit, bringe dadurch, wenn es gelingt, etwas ganz
intensiv in die mitte meines bewusstseins, wo es lebendig dasteht, zu sehen, zu
hören, zu riechen, zu betasten, in einer eigenbeweglichkeit, die es aus dem zustand
des eingebettetseins in einen erinnerungsablauf befreit. es steht für sich selbst da,
... statisch, und zugleich in einem strahlungskranz von assoziationsmöglichkeiten.

friederike mayröcker

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13.10.2011

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12.10.2011

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so tritt denn schliesslich alles ein
und es ergibt sich folgerichtigkeit.
wie merkwürdig wäre, träten zwei ereignisse
auf einmal gleichzeitig ein.

rätselfrage: und wenn statt zweier ereignisse
acht seifenblasen einträten?
antwort: dann würden wir uns natürlich hinlegen.

diese antwort war klar und kurz.
ein mensch wurde in papier eingewickelt.
es gibt kein papier. der winter ist da.


daniil charms
[aus: die wanne des archimedes. gedichte – edition korrespondenzen]

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11.10.2011

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es ist wahr, dass es um mitternacht
nun kalt wird in den wäldern des sommers,
aber der mond rundet sich wieder.

es ist wahr, dass um mitternacht
die sterne von zweig zu zweig springen
sehr neugierig
und immer noch auf der suche nach heine.

es ist wahr, dass sich um mitternacht
der himmel überschneidet
vor lauter liebe und vergänglichkeit.

es ist wahr, dass ich gehe, und alles geht mit,
die jungen bäume und auch die alten
und die bänke darunter
die tagsüber so still stehn.

ich gehe und gehe
und verändere die geographie.


elisabeth borchers
[aus: gedichte - suhrkamp]

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