31.08.2011

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vielleicht sind alle gedanken bis heute um einen herum gedacht worden, der noch darauf wartet, gedacht zu werden. vielleicht hängt alles davon ab, dass dieser gedanke wirklich gedacht wird. vielleicht ist es noch gar nicht sicher, dass er gedacht werden wird.


elias canetti

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30.08.2011

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ausser landes


bücher aus fremden büchereien,
die erstarkten tauben.
käme es auf die orte an,
die wir zu verlassen
im stande sind,
mit ihrem himbeergesträuch,
den tüchern,
die sich schon im winde falten,
sie wechseln still hinter uns,
während wir bleiben
auf den warmen rücken
der gärten, steinern
oder aus sand.


ilse aichinger
[gefunden in wildgans’s weblog]

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29.08.2011

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mondschatten


zunehmender mond im geäst
entzündet die ampel
deines gesichts

legt einen hof
aus schweigen
der rundum schützt
dich unantastbar macht
in der grelle
des tags

im schatten
liegt was uns
ergänzt


eveline hasler
[aus: sätzlinge, gedichte - nagel & kimche]

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28.08.2011

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bei verstand bleiben


sich zurechtfinden - eine frage
der belichtungszeit.
nicht zu lange hinsehen.
die perspektive wechseln.
bei verstand bleiben
durch unsteten blick.


rainer malkowski
[aus: die gedichte - wallstein]

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27.08.2011

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sonett 1


abnett
benett
ernett
anett

danett
esnett
genett
janett

imnett
obnett
dunett

innett
wonett
zunett


ernst jandl
[aus: serienfuss - luchterhand]

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26.08.2011

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am strande


heute sah ich wieder dich am strand
schaum der wellen dir zu füssen trieb
mit dem finger grubst du in den sand
zeichen ein, von denen keines blieb.

ganz versunken warst du in dein spiel
mit der ewigen vergänglichkeit
welle kam und stern und kreis zerfiel
welle ging und du warst neu bereit.

lachend hast du dich zu mir gewandt
ahntest nicht den schmerz, den ich erfuhr
denn die schönste welle zog zum strand
und sie löschte deiner füsse spur.


marie luise kaschnitz

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25.08.2011

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das blau verfing sich im himmel.


marianne büttiker

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24.08.2011

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die schwerkraft in meinen
armen laufen räume über d
ächer luftig die drehtüre
n schwingen sich aufwärts
steige ich aus dem abhang
ein steinerner himmel häl
t das wetter still mit de
n anstössen an allen ecke
n die fäden gespannt ohne
sprachgerippe der marione
tten gesetzt den fall auf
den wolken ruhen sich bil
der aus zu halten mein ge
sicht ich vergrabe ins wi
ndtreiben zurück geworfen
auf den tag genau diese n
acht zu durchschlagen ein
tisch hängt die wand hoch
aus gründen die mich in f
rage stellen ich nehme mi
r einen lichtspalt vorweg
vertieft mich gerade noch
aufgefangen zerstreut aus
der hand ich lese den sch
erben vom unglück im glüc
k das ausgeleerte läuft b
is zum tischrand und über
den boden es zieht mir di
e füsse hin zu klingenden
stufen ich baue vier räum
e und schliesse die däche
r bei offenen türen hindu
rchzugehen mit der schwer
kraft in meinen füssen



mara kempter
[aus: hin und zurück, lyrische texte – isele]

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22.08.2011

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wirklichkeit III


ich kann nur die flöte spielen
und nur fünf töne.
- paula ludwig


ausflugsschiffe laufen ein
alte menschen
mit kleinen schritten
auf sprödem holz
vom himmel fallen möwen
die realität findet 1000 km weiter südlich statt
hier gibt es hasen und tage
wie schwarztee mit milch
die finger sind klamm
die strandkörbe leer
ein fernseher läuft
es wird regen geben


marianne rieter
[aus: fortsetzung folgt – fixpoetry leseheft no 21]

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schwebende stunde


die häuser wo jede geste
eine erwartung ausspricht
die nie in erfüllung geht.

das feuer das im herd brennt
um den dunst des atems zu lösen
und in jedem herzen die dämmerung
des morgens - mit der sonne.

du - gegen abend - falter
mit den geschlossenen flügeln
zwischen zwei stengeln fürchtest du
den regen.


antonia pozzi
[aus: parole|worte, gedichte italienisch|deutsch - wallstein]

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