10.04.2011

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heiterer frühling


ausgelaufene malkästen:
farbiges idyll
vom frühling

ein blumenmarkt entsteht
in der frühen wärme.

aus einem gedicht
fliegt eine weibliche taube.

die luft ist
voller rosa handzettel.

ein begonnenes lied
nimmt kein ende -
alle notenschlüssel
gingen verloren.


karl krolow
[aus: gesammelte gedichte 2 - suhrkamp]
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08.04.2011

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für morgen vielleicht


wenn das licht zerreisst
wo die zeit einbricht
warum nicht

zwischen zwei fragen
einmal den atem
an und aus

halten und haltbar
machen die liebe
als gedicht

dann den eignen schatten fliehn
auf zehenspitzen
ohne du

und alle todesarten
gegeneinander
abwägen

für morgen vielleicht


marc hermann
[aus: vom verschwinden bleibt, gedichte - isele]





marc hermann liest aus seinem gedichtband "vom verschwinden bleibt"
heute abend, 20:00h - atelier a4, ebnaterstrasse 70, 9630 wattwil
mit weiteren beiträgen von moni egger, ina praetorius, rainer stöckli - musik: junia hüppi



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07.04.2011

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ich weiss,
ich weiss und du weisst, wir wussten,
wir wussten nicht, wir
waren ja da und nicht dort,
und zuweilen, wenn
nur das nichts zwischen uns stand, fanden
wir ganz zueinander.


paul celan
[in: soviel gestirne, die man uns hinhält]
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06.04.2011

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immer wenn du zurückkommst


immer wenn du zurückkommst
ist mirs
als sähe ich dich zum erstenmale:

silbern stäubt es aus meiner seele
wie aus den weidenkätzchen
wenn der frühlingswind
sie zum erstenmale berührt

paula ludwig
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05.04.2011

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es gibt schliesslich kein verbot für alte weiber, auf bäume zu klettern.


astrid lindgren
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04.04.2011

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einige liebesobjekte


die sonne.

landsitze in alten
russischen romanen.

alles hilflose.

das starke.

der verlässliche klang
einer stimme.

leichtfüssigkeit.

die nützlichen
illusionen.


rainer malkowski
[aus: die gedichte – wallstein]
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03.04.2011

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es ist doch erstaunlich, was ein einziger sonnenstrahl
mit der seele des menschen machen kann.


fjodor michailowitsch dostojewski
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02.04.2011

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frag mich nicht warum, wozu, aber sei da für mich, einen abend lang oder zwei, drei. führ mich an die seine, wir wollen so lange hineinschauen, bis wir kleine fische geworden sind und uns wieder erkennen.


ingeborg bachmann an paul celan – 24.06.1946
[aus: herzzeit, briefwechsel – suhrkamp]
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01.04.2011

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abend im april


es klopft sanft die mondin
hinter den scheiben
an meinen primeltopf:
ohne sie zu sehen, denk ich an sie
als sei sie auch eine grosse primel,
erstaunt,
einsam,
auf der blauen wiese des himmels.


mailand, 1. april 1931


antonia pozzi
[aus: parole ½ worte, gedichte italienisch ½ deutsch - wallstein]
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